"Try Walking In My Shoes"

2012 wurden mir nach dem Uniformenwechsel der Berliner Polizei grüne, gebrauchte Uniformen für eine Mode-Kollektion zur Verfügung gestellt. 8 Jahre versuchte ich Partner für das Upcycling-Projekt zu finden. 2019 ist es mir gelungen, die Modeschule Berlin für das Polizeiuniformen-Projekt „Try Walking In My Shoes“ zu gewinnen.

Als Lehrer der Modeschule Berlin sind Kathrin Bräuning ,Nathalie Schwarz und Klaus Spieth beteiligt und die mitwirkenden Schüler*Innen sind Charleen Abraham, Leonie Brodersen, Donja Gorji, David Han, Marcel Hohe, Anja Retzlaff, Benedict Marcel Trattnigg, Esther Wendel, Zora Fee Zeman. Die Schuhe für das Shooting waren von der Firma trippen.com, Fotos von Lukas Preuss, die Grafik von Minna Klein.

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Für Mode interessieren sich die meisten Menschen aller Geschlechter, Gesellschaftsschichten und Altersgruppen. Das nutze ich für meine Projekte. Im Kontext der Mode mache ich seit 12 Jahren kontroverse Themen wie den CO2 Fußabdruck, Arbeitsbedingungen oder Abfallwirtschaft sichtbar und habe Cross Couture Projekte z.B. mit einem Fussballverein genauso wie mit geflüchteten Frauen umgesetzt. Weder als Einzelne noch als Gruppe haben wir eine unveränderliche Identität und Gesellschaft lässt sich nicht einfach in Freund und Feind sezieren. Das schafft natürlich Ambivalenzen, aber für Mode sind alle offen. In der gemeinsamen Arbeit an der jeweiligen Modekollektion zeigt sich immer wieder wie wir durch gemeinsamen Austausch, gemeinsame Arbeit, Wandel vollziehen können. Erst durch all die unsichtbaren Mauern an die ich mit dem Polizeiuniformen-Projekt stieß und immer noch stoße, wurde mir bewusst wie ambivalent das Verhältnis zwischen Polizei und Gesellschaft wirklich ist.

2019 ist es mir gelungen, die Modeschule Berlin als Kooperationspartner für das Polizeiuniformen-Projekt zu gewinnen. Wir haben für die Kollektion aus gebrauchten Uniformen den Song von Depeche Mode „Try Walking In My Shoes“ zu unserem Motto gemacht, um zu zeigen, dass in einer offenen Gesellschaft, Begriffe wie Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit immer wieder von neuem kreativ miteinander verhandelt und abgebildet werden können und dadurch neue Facetten und Handlungsmöglichkeiten für Gemeinsamkeit und Toleranz in der Gesellschaft entstehen.

Die Modeschule Berlin ist eine Berufsfachschule und bietet verschiedene berufliche Abschlussmöglichkeiten für Nicht-Abiturient*Innen und Abiturient*Innen. Gemeinsam mit einer Modeklasse von 10 Schüler*Innen im 3. Ausbildungsjahr haben wir die Kollektion aus den gebrauchten Jacken, Hosen und Hemden erstellt. Uniformen zeigen Träger*Innen auf den den ersten Blick als Teil unserer Ordnungs- und Schutzmacht. Die Polizei ist Teil unserer politischen Gemeinschaft und beantwortet auf ihre Weise die Fragen danach, wozu eine Gemeinschaft fähig ist.

Der Gedanke der Nachhaltigkeit bezieht sich bei „Try Walking In My Shoes“ nicht nur darauf, abgelegte Uniformen mit Schülern zu einer gelungenen Mode Kollektion zu machen, sondern bedeutet in diesem speziellen Zusammenhang auch gemeinsam die Frage zu stellen nach der Entwicklung moderner politischer Institutionen: darüber, wie sich der Staat, Rechtsstaatlichkeit und demokratische Verantwortlichkeit entfalten und wie sie bewahrt werden können.

Ich selbst machte in 8 Jahren viele unterschiedliche Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Menschen, habe mit tollen PolizistInnen gesprochen, traf Politiker, Künstler und Kulturbeauftragte, Modestudenten, Berufsfachschüler und ihre Lehrer. Ein wirklicher Querschnitt durch unsere Gesellschaft. 2020 planen der Filmemacher Mats Meissen und ich gemeinsam eine Dokumentation des Projektes. Dafür starten wir demnächst eine Crowdfunding Aktion.

Im Rahmen der Ausstellungsreihe THE FEMMES CITY 2020 werde ich am 23.Januar die Reihe mit einer performativen Aktion zum Cross Couture Projekt “Try Walking In My Shoes” im U-Bahnhof Kleistpark um 19 Uhr eröffnen. Mehr unter atrans.org/program/